ATMUNG

Grundlage und Werkzeug

Die Atmung ist ein mechanischer Vorgang, der Druckunterschiede im Brustkorb nutzt, um die Luft in und aus unserem Körper zu transportieren. Sie wird durch das autonome Nervensystem reguliert und von unserem Atemzentrum im Hirnstamm gesteuert. Sie sichert die kontinuierliche Versorgung unseres Körpers mit Sauerstoff (O2) und Stickstoffmonoxid (NO) und sorgt darüberhinaus für die richtige Menge an Kohlenstoffdioxid (CO2). Das Besondere an unserer Atmung ist, dass sie einerseits autonom abläuft, wir sie aber auch willentlich beeinflussen können. Wenn auch über einen Umweg ist es unsere Atmung, die es uns ermöglicht, auf die Aktivitätsniveaus unseres autonomen Nervensystems bewusst einzuwirken.

 

Bei der sogenannten „Funktionellen Atmung“ handelt es sich um ein physiologisches Modell, das entlang der drei Dimensionen Biomechanik (Atemtiefe), Biochemie (Atemvolumen) und Psycho-Physiologie (Atemrhythmus) eine optimale, anpassungsfähige Atmung beschreibt. Funktionell zu atmen bedeutet, auf eine Weise zu atmen, die optimal für unseren Organismus und seine Funktionen ist und sich dabei flexibel an die jeweilig vorherrschenden Umstände (im Inneren wie im Äußeren) anpasst. Seitens der Biomechanik beschreibt das Modell zum Beispiel, welche Muskeln bei der Atmung idealerweise beteiligt sind, um die segmentale Stabilität des Rumpfes zu unterstützen und die Sauerstoffaufnahme zu erhöhen. Das richtige Atemvolumen sorgt dafür, dass Sauerstoff und Kohlenstoffdioxid im optimalen Verhältnis ausgetauscht werden. Und die rhythmische Atmung führt zu einem ausgeglichenen Wechselspiel von Sympathikus und Parasympathikus, den beiden gegensätzlichen Anteilen des autonomen Nervensystems.

 

Die Funktionelle Atmung baut auf der aufrechten, neutralen Körperhaltung auf. Sie stellt sicher, dass das Zwerchfell — unser primärer Atemmuskel — uneingeschränkt arbeiten kann. Zusammen sind Körperhaltung und Atmung das Fundament für die stille Sitzmeditation. Einerseits um Wirbelsäule und Bandscheiben während längerem, unbewegtem Sitzen zu schonen. Und andererseits um ein gewisses Maß an Konzentrationsfähigkeit überhaupt erst möglich zu machen.